(Ent-)Eigentum im Wilifeld

Etwas überrascht stellte ich als Zuhörer an der Infoveranstaltung „Erschliessungsplan Wilifeld Nord“ vom 12. Juli 2018 fest, dass privates Eigentum in Birrwil sehr leichtfertig öffentlich in Frage gestellt werden kann.

Eigentümer A soll mittels Enteignung ein Stück seines Landes abgeben, damit Eigentümer B sein Grundstück grösser als bisher überbauen kann und eine optimale Zufahrt erhält?! Eine Zufahrt über eine Sackgasse wohlgemerkt, welche bis anhin genügte.

Zudem wurde Eigentümer A vorgeworfen, sein Haus stehe zu nah an der Sackgasse. Völlig ausgeblendet wurde dabei, dass das Haus von Eigentümer A ca. 1953 gebaut wurde, als es noch keine Sackgasse hinter dem Haus gab; als es überhaupt noch keine Häuser hinter seinem Haus gab. Die Sackgasse wurde erst viel später erstellt und dient als Zufahrtsstrasse für 3 Parzellen am Ende der Wilifeldstrasse. Alle Parzellen sind heute bebaut. Vermutlich einigte man sich damals die Sackgasse direkt auf die Grenzen zwischen den Grundstücken zu verlegen, damit die damals noch nicht bebauten Grundstücke nicht zu viel an Baufläche und Land verlieren. Umsomehr ist es unglaublich, dass heute 60 Jahre später an einer öffentlichen Veranstaltung etwas vorwurfsvoll und hämisch dem Eigentümer A der Bauabstand vorgehalten wurde.

Abermals sollte nun dieselbe Parzelle, welche damals schon Land abgab und als erste baute, beschnitten werden. Beschnitten für dieselbe Strasse wie damals, welche der Eigentümer A für sein Haus aber gar nie benötigte und benötigen wird!

Es sei hier klarzustellen, dass Eigentümer B die Strasse benötigt und ich erlaube mir also die Frage, weshalb gibt dieser Eigentümer B nicht einfach Land an Eigentümer A. Weshalb verschiebt Eigentümer B nicht einfach die Grenze und verkleinert sein Grundstück zugunsten von A? Vielleicht wäre dann Eigentümer A bereit, etwas Land für die Zufahrtsstrasse zu geben, zumal er so nicht an Wertigkeit seines Eigentums verliert.

An der besagten Veranstaltung war diesbezüglich aber kein Vorschlag vorhanden. Von allen vorgeschlagenen Ideen würde nur Eigentümer B profitieren und andere enteignet werden. Ich empfand die Vorschläge und ihre Begründungen als Beleidigung für jeden Eigentümer, dem es in Birrwil gleich ergeht oder erging. Auch Vorschläge können beleidigen, wenn sie keiner Gerechtigkeit folgen.

Wäre ein Konsens verfolgt worden, hätten alle Parteien profitiert. Schlimm genug, dass alle betroffenen Parteien (mehr als nur A und B) nun mit Anwalt streiten müssen, da die Fachperson an diesem Abend nicht anähernd einen Vorschlag in Konsens-Nähe machte.

Eigentum ist in der Schweiz eines der gesetzlich am höchsten geschützten Güter. An der Veranstaltung ist verbal mit privatem Eigentum umgegangen worden, wie zu Zeiten als nur Kaiser und Könige das Recht hatten, Land zu besitzen.

Links Wilifeld Nord heute, rechts Wilifeld Nord 1953

Ein Gedanke zu “(Ent-)Eigentum im Wilifeld

  1. Und die Gewinner sind wiedermal: Die Anwaltkanzleien, welche auf beiden Seiten etwas Arbeit verrechnen können.

    Was mir etwas speziell erscheint: Wie kommt’s, dass es bei einem privaten Bauvorhaben so schnell Richtung Enteignung geht …. und man bei einem Vorhaben von öffentlichem Interesse (Veloweg nach Boniswil) das Wort Enteignung fast nicht ausgesprochen darf? Das darf mir gerne mal jemand erklären.

    Gefällt 2 Personen

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