Lidia mastert Berbu

Schüür-Obe, 17. Februar 2017, Berbu

„Ortszentren übernehmen eine wichtige Rolle im Siedlungsgefüge und haben einen grossen Einfluss auf die Beurteilung der Siedlungsqualität von Gemeinden. Sie sind nicht nur für die Nahversorgung von Bedeutung, sondern auch öffentlicher Ort der Begegnung und Identitätsstiftung. Durch den Strukturwandel leiden kleine und mittlere Gemeinden in der Schweiz besonders unter dem Wegzug der Detailhändler im Ortszentrum. Die Liegenschaften im Ortszentrum verlieren an Wert und drohen nicht mehr unterhalten zu werden. Die Lebendigkeit und die Aufenthaltsqualität gehen durch die fehlende Laufkundschaft verloren.“ (Lidia Räber: Repertoire für lebenswerte und attraktive Zentren, Masterarbeit Studiengang Raum- und Infrastruktursysteme, ETH Zürich, 2017)

In der voll besetzten Chileschüür referierte Lidia Räber über die Inhalte Ihrer Masterarbeit des Studiengangs Raum- und Infrastruktursysteme an der ETH Zürich. Insbesondere mit der Fragestellung „Wie kann das Zenrum einer kleinen Gemeinde wie Birrwil attraktiv gestaltet werden?“.

Spannend, dass das mögliche Szenario, der Weg dahin und die Konsequenzen für unser Dorf nicht im Rahmen eines finanzierten Raumplanungsauftrags durch die Gemeinde Birrwil entstanden ist, sondern aufgrund wissenschaftlicher Fakten und Vergleiche mit Gemeinden der ganzen Schweiz, welche weniger als 2000 Einwohner haben. Die geschilderte Berbuer Zukunft ist den Zuhörern also wissenschaftlich fundiert vor Augen geführt worden.

Lidia führt aus, dass die Bevölkerung seit dem Jahre 2010 bis zum 31.12.2016 um 250 Personen gewachsen sei. Dies entspricht 26% Wachstum. Dabei habe sich aber die Altersverteilung in der Bevölkerung nicht verändert, da wenig Familien mit Kindern in die neu erstellten Wohnräume eingezogen sind. Der Anteil der über 65-jährigen (22%) in der Gemeinde sei im Vergleich zum Durchschnitt der Schweiz und des Kantons hoch; der Anteil der 0-19jährigen mit 13% sehr tief.

Lidia sieht in Birrwil drei Identifikationsgebiete: Das Gebiet am See als touristisches Zentrum, den Bereich Bahnhof und das Dorfzentrum. Letzteres weise das grösste Entwicklungspotenzial auf.

In ihrer Bewertung des Dorfzentrums stellt sie fest, dass die heutige Situation im Zentrum geprägt ist vom Gemeindehaus, der Schule, der Mehrzweckhalle, den Restaurants, den einzelnen privaten Häusern, dem Dorfrasen und der Strassenfläche.

Lidia Räber: „Der Wegfall der öffentlichen Einrichtungen (Schule, Gemeindeverwaltung, Bibliothek) und der Restaurants, welche den Raum aktiv beleben, kann als worst case Szenario angesehen werden.“

Die Strassenfläche im Dorfzentrum nehme viel Platz bei geringem Verkehr ein. Die Strassenfläche könne mit einer einfachen Gestaltung besser dem Bild des Dorfzentrums zugeführt werden, wenn diese einheitlich ist. Dazu zeigt sie Beispiele anderer Gemeinden mit ähnlichen Situationen. Sie erwähnt, dass eine dreissiger Zone im Dorfzentrum eine bedeutende Aufwertung wäre.

Mittels möglicher Überbauung des Hobackers, des Köbiareals und dem Bauprojekt Färbi errechnet Sie einen potenziellen Einwohnerzuwachs im Zentrum von ca. 340 – 502 Personen. Bei diesem Zuwachs erkennt sie auch eine Chance für einen Dorfladen im Zentrum. All dies würde das Zentrum beleben. Neuer Begegnungsraum könne auch im Bereich des Tischtennis-Tisches und des Bänklein am östlichen Rand der Dorfwiese geschaffen werden.

Um Projekte dieser Art anzugehen, erwähnt sie, dass es wichtig sei, zuerst alle Akteure an einen Tisch zu bringen, um Bedürfnisse auszusprechen. Wichtig sei der Einbezug der Bevölkerung von Beginn an. Erst danach sei eine Test- und Richtplanung durchzuführen, welche zu guter Letzt mit einem Projekt-Wettbewerb endet.

Lidia schliesst mit der Empfehlung, dass sich eine aktive Herangehensweise lohne, um das Zentrum zu beleben und mitzuplanen. Es sei wichtig, mögliche Szenarien frühzeitig anzugehen, um sie als Gemeinde mitzugestalten zu können.

Der Kanton unterstütze finanziell Projekte dieser Art bis zu maximal 1/3 der Kosten.

In den anschliessenden Fragen aus dem Publikum und Diskussionen stechen besonders folgende Punkte hervor:

  • Bezüglich des schlafenden Köbiarealprojektes empfiehlt sie, aktiv auf den Besitzer zuzugehen.
  • Ein Zuhörer macht den Vorschlag, dass Kehrrichtmarken nur noch in der Kanzlei erhältlich sein sollen, dies schaffe zumindest einen kleinen Begegnungsraum im Zentrum.
  • Initiator des ersten Schrittes, alle Akteure an einen Tisch zu setzen, ist in der Regel der Gemeinderat.
  • Sehr interessant war auch eine Wortmeldung, dass der Hobacker ursprünglich für den Bau eines Schulhauses vorgesehen war.
  • Ein Gemeinderatsmitglied erwähnt, dass aktuell andere kostenintensive Projekte wie zum Beispiel der Schulhausbau anstehen und eigentlich kein Geld für derartige Projekte da sei. Anmerkung des Schreibers: www.ideenkicker.ch (Crowdfunding Plattform der Region Lenzburg, Seetal)

Wer die Ausführungen von Lidia Räber detailliert in Ihrer Masterarbeit nachliest, wird überrascht sein, welche Möglichkeiten, Begegnungsräume zu schaffen, sich Birrwil aktuell entgehen lässt. Sie beschreibt Gemeinden, welche den Dorfplatz auch mittels Markt und so weiter beleben.

Ich bin als Berbuer dankbar, dass Lidia Räber bei der Wahl ihres Masterarbeitsthema, die Entwicklung ihres Wohnorts Birrwils miteinbezogen hat.

Liebe Lidia, vielen Dank für Deine Bereitschaft, Deine Ideen, Visionen und Hypothesen mit uns Berbuern zu teilen. Deine Arbeit ist damit zu einem wichtigen Mosaikstein des Berbuer Weges in die Zukunft geworden. Die grosse Besucherzahl hat gezeigt, dass das Bedürfnis der Bevölkerung, Birrwil zu stärken und zu  beleben, sehr gross ist.

Lieber Berbuer, nütze Deine Chance mit Deinem Kommentar, Berbu mitzugestalten oder platziere Deine Idee unter folgendem Link. (Abstimmen kannst Du dort auch anonym.)

 

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