Die WM ist vorbei, der Ball liegt beim Gemeinderat

Nachdem das Traktandum Schulhausneubau an der letzten Gemeindeversammlung in Birrwil kurzfristig gestrichen wurde, hat sich am 4. Juli 2018 die begleitende Baukommission gemeinsam mit den Projektwettbewerbsgewinnern getroffen. Dabei wurden sämtliche Fragen bezüglich des Zustandekommens der auf den ersten Blick hoch scheinenden Baukosten von 4,9 Millionen Franken geklärt. Die Kommission empfiehlt daher dem Gemeinderat das vorliegende Projekt umzusetzen und beim Volk einen Projektierungskredit wie bereits vorgesehen in der Höhe von Fr. 395‘000.- einzuholen.

Die Birrwiler Stimmbürger wurden vor der letzten Gemeindeversammlung drei Tage zuvor darüber informiert, dass der Gemeinderat entschieden habe, das Traktandum Schulhaus-Neubau zu streichen. Die Schulpflege ist daraufhin geschlossen zurückgetreten, waren doch die Gründe der Traktandumsstreichung nicht plausibel und nicht nachvollziehbar. Es entstand in der Bevölkerung grundsätzlich der Eindruck einer rein politisch motivierten Aktion ohne sachlichen Hintergrund.

An der Gemeindeversammlung selbst gab es danach nicht viel Spielraum für Diskussionen. Ein Ordnungsantrag verhinderte eine vertiefte Debatte, um herauszuarbeiten, was nun die eigentlichen Gründe für die Traktandumsstreichung waren.

Mittlerweile hat sich nun die begleitende Baukommission gemeinsam mit den Projektgewinnern, den Architekten Brandenberger-Kloter, getroffen, um das Zustandekommen der auf den ersten Blick hoch scheinenden Baukosten von insgesamt 4,9 Millionen Franken zu klären.

Der Projektwettbewerb selbst sah Baukosten für einen Neubau hinter der Mehrzweckhalle in der Höhe von 4 Millionen vor. Dieser Preis wurde sowohl von der begleitenden Kommission wie auch von unabhängigen Architekten und Raumplanern berechnet. Der Vorteil eines Projektwettbewerbes ist, dass mehrere Projekte zur Auswahl kommen, welche alle von versierten Fachpersonen mit Top-Referenzen im Bereich Schulhausbau eingereicht wurden.

An der Gemeindeversammlung 2015 ging der Gemeinderat noch von Sanierungs- und Anbaukosten beim Alten Schulhausgebäude von insgesamt 4,5 Millionen aus. Der Kindergarten wäre dabei noch nicht saniert gewesen. Ebenfalls wären immense Kosten für die Sanierung des Gemeindehauses hinzugekommen. Auch diese Kosten wurden von Fachpersonen errechnet.

An der genannten Sitzung der begleitenden Baukommission wurde schnell klar, dass die erhöhten Kosten aufgrund folgender Faktoren entstanden:

  • Der Gemeinderat hat nach der Preisverleihung den zu bearbeitenden Perimeter verdoppelt und den ganzen Parkplatz der Mehrzweckhalle miteinbezogen.
  • Da sich der Bau hinter der bestehenden Mehrzweckhalle befindet, fallen hohe Kosten für die Baustelleneinrichtung an. So müsste hangseitig eine provisorische Baustellenzufahrt erstellt werden, welche später wieder zurückgebaut wird.
  • Ebenfalls war im Projektwettbewerb die Behindertengerechtigkeit nur für den reinen Schulhausbau vorgegeben, nicht aber der behindertengerechte Zugang von der Parkplatzseite her. Es wäre aber möglich, dass diese Kosten mit einer Augenscheinnahme vor Ort gemeinsam mit Procab, gesenkt werden könnten. Dies macht aber eben genau einen Projektierungskredit notwendig.
  • Die Architekten wiesen sehr offen darauf hin, dass sie Sicherheiten einberechnet haben, da zum Beispiel auch die Hanglage einige derzeit noch unberechenbare Faktoren beinhalte. Die Birrwiler kennen dies nur allzu gut, hatten doch alle terrassierten Überbauungen jüngster Zeit grosse Probleme mit eindringendem Wasser.
  • Die finanziellen Sicherheiten wurden also einberechnet, da ohne Projektierungskredit noch gar keine eigentliche Planung bis ins letzte Detail möglich ist, welche dann erst zu den eigentlichen Baukosten führen würde.

Sämtliche Fachpersonen, wie auch die Branchenverbände der Architekten empfehlen grundsätzlich bei den Planungskosten nicht zu sparen. Untersuchungen mehrerer öffentlicher Projekte haben gezeigt, dass wenn die Planungskosten niedrig angesetzt werden, die Realisierungskosten steigen. Umgekehrt kann man die effektiven Baukosten senken, wenn die Planungskosten höher sind.

Da Birrwil durch die Hanglage und den erschwerten Baustellen-Zugang hinter der Mehrzweckhalle ein Sonderfall darstellt, ist es schwer, in der Region äquivalente Schulhausbauten zu finden und sich mit diesen zu vergleichen.

Die begleitende Baukommission hat nun am 4. Juli 2018 entschieden, dem Gemeinderat den Projektierungskredit in der Höhe von Fr. 395‘000.- zu empfehlen, ausgehend von derzeit mutmasslichen Baukosten in der Höhe von 4,9 Millionen Franken.

Wobei die Baukommission davon ausgeht, dass diese Kosten mit einer guten Planung gesenkt werden können, zumal ein grosser Teil der Kosten nicht dem eigentlichen Gebäude zuzuschreiben sind.

Ebenfalls hält die Kommission daran fest, dass sie auf jeden Fall wo immer möglich, das regionale Gewerbe miteinbeziehen möchte. Wohl könnten mit einem Generalunternehmer die Kosten gesenkt werden, regionales Gewerbe wäre aber wohl dann nicht mehr beteiligt.

In der aktuellen Projektphase des Schulhaus-Neubaus, bei welcher als nächster Schritt ein Projektierungskredit für die eigentliche Planung notwendig wird, ist ein Preisdumping sowieso unsinnig und wagemutig.

Gespannt blicken wir nun auf die von der Bevölkerung eingeforderte ausserordentliche Gemeindeversammlung vor der Novembergemeinde 2018 und auf die Entscheidung des Gemeinderates über die Empfehlung der begleitenden Baukommission.

3 Gedanken zu “Die WM ist vorbei, der Ball liegt beim Gemeinderat

  1. Ich nehme an, dies ist eine offizielle Verlautbarung der Baukommission. Ein grosses Dankeschön an die Kommission für die offene und transparente Kommunikation. Da könnten sich andere Behörden und Organisationen im Dorf eine Scheibe abschneiden.

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