Mit Demenz nach Lenzburg!

Am 13. April 2017 unterzeichnete Vreni Christen, als Gemeindeammann, und Monika Gloor, als Gemeindeschreiberin, im Namen der Gemeinde Birrwil mit der SENIOcar AG eine Leistungsvereinbarung. Diese gewährt den Berbuer Betagten eine Vorreihung, sollte man ein Langzeitpflegebett benötigen. Das Wohn- und Pflegezentrum Tertianum in Lenzburg gewährleistet den Berbuer Betagten 12 Betten, sofern diese natürlich nicht belegt sind. Dabei kommt aber tatsächlich folgende Reihung zum Zug:

  1. Staufen und Lenzburg
  2. Othmarsingen
  3. Birrwil
  4. andere

Die Gemeinde Birrwil verpflichtet sich im Gegenzug, Zuweisungen ausschliesslich an das Tertianum in Lenzburg zu machen. Weiters hat die Gemeinde 2 Personen für den Heimrat zu stellen, welcher zweimal jährlich tagt. Die Kündigungsfrist der Leistungsvereinbarung beträgt 24 Monate. Die Gemeinde ist mit der Leistungsvereinbarung keine finanziellen Verpflichtungen eingegangen.

Am Dienstag, 26. September um 18:30Uhr, hat nun die zuständige Geschäftsleiterin Marianne Häuptli das Wohn- und Pflegezentrum Lenzburg in der Mehrzweckhalle präsentiert. Bereits beim Eingang erhielten die 10 – 15 Berbuer Interessierten einen Folder und wurden persönlich von 4 Vertretern des Tertianum begrüsst. Martina Jenni, zuständige Ressortverantwortliche des Gemeinderates, eröffnete den Abend mit der Bemerkung, dass sie doch mit mehr Personen gerechnet habe. Zusätzlich zu den 10-15 Personen waren auch noch 4 Gemeinderäte anwesend.

Der Höhepunkt des Abends war wohl die einzig gestellte Frage:

„Sieht man von der Dachterrasse für die Dementen den Hallwilersee?“

Da das Wohn- und Pflegezentrum auf dem ehemaligen Heroareal liegt, also zwischen Lenzburger Bahnhof und Autobahnbrücke, ohne grünem Umschwung, erübrigte sich die Antwort. Der anschliessend gut gemeinte Apéro-Riche wurde für ca. 200 Personen ausgerichtet. Leider konnten die wenigen Anwesenden nicht so viel essen!

Präsenile Demenz ist eine ernstzunehmende Erkrankung, für die es nach wie vor keine Heilung gibt. Es ist ein frühes Eintreten der Vergesslichkeit. Vergessen wurde, dass demente Personen möglichst eine vertraute Umgebung, alle Sinne betreffend, benötigen. Ganzheitliche Betreuung im Alter bedeutet Validation. Das heisst, im Sinne der Berbuer Betagten gelten zu lassen, dass sie ein Leben lang in einer ruhigen, grünen Umgebung mit Blick auf den See und die Berge, mit dem Geräusch der wasserklatschenden Flügel der Schwäne, der Kirchenglocken um den See, der Kuhglocken und einiger Traktoren verbracht haben. Und welche Umgebung und welche vertrauten Geräusche sind in Lenzburg wohl zwischen Bahngeleise, Autobahn und Industriegebiet vorhanden?

Ich mag mich erinnern, dass ich erst heute in Beinwil am See, eine mindestens ebenbürtige Einrichtung gesehen habe. Aber vielleicht bin ich schon dement!

Es sei vermerkt, dass der Gemeinderat damit natürlich seine gesetzliche Verpflichtung erfüllt hat, mehr aber nicht.

(Bildnachweis: http://www.wetter-ag.ch/metallbau/aktuell/Im_Lenz.php, 27.9.2017)

Ein Gedanke zu “Mit Demenz nach Lenzburg!

  1. Ja, die Gemeinde hat tatsächlich nur ihren Auftrag erfüllt. An alle Haushaltungen wurden persönliche Einladungen versandt!!! Also rund 1000 Einladungen. Die Gemeinderäte müssen sich jetzt langsam überlegen, für wie toll oder dumm sie die Einwohner einschätzen. Wenn knapp 1% der Einwohner Interesse zeigen!!!

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