Melioration? Bitte geheim!

Es ist richtig, Berbuer sind gewohnt, an einer Gemeindeversammlung offen abzustimmen und können gut mit unterschiedlichsten Meinungen einzelner Stimmbürger leben. Auch wenn man uneins ist, sitzt man nach erfolgter Abstimmung wieder zusammen und diskutiert über die nächsten politischen Entscheide.

Die Entscheidung für oder gegen die Moderne Melioration enthält allerdings nicht nur Aspekte, welche das Dorf als Gesamtes betreffen. Nein, es geht direkt und unmittelbar um Veränderungen des persönlichen Eigentums sehr vieler Bürger. Eigentum wird in der Schweiz als hohes zu schützendes Gut angesehen. In der Bundesverfassung wird mit Artikel 26 das Eigentum garantiert und gewährleistet. Selbstverständlich nimmt auch eine Moderne Melioration niemandem Eigentum weg, sondern versucht es, mit gleichwertigem Land zu ersetzen.

… und trotzdem sind Landumlegungen in Ihrer emotionalen Wirkung nicht zu unterschätzen. Steht für eine Vielzahl der Eigentümer das eigene Stück Land nicht für eine wirtschaftliche Einnahmequelle, sondern für einen familiären Besitz mit persönlichen Erinnerungen und dem Bewusstsein, ebenfalls über ein Stück der Berbuer Natur und Heimat verfügen zu können.

Ein kleinerer Teil der Eigentümer verdient mit dem landwirtschaftlichen Land teilweise oder sogar ausschliesslich ihren Lebensunterhalt. Lebensunterhalt wiederum ist der zentrale Teil unserer Existenzgrundlage, also ebenfalls emotional sehr stark besetzt.

Das heisst, unabhängig davon, ob wir nun ja oder nein stimmen, werden bei den Unterlegenen tief greifende Verletzungen und Enttäuschungen ausgelöst. Und da der Meliorationsprozess 10 bis 15 Jahre dauert, werden diese Enttäuschungen mindestens ebenso lange genährt. Wird die Melioration hingegen abgelehnt, werden zum Beispiel die Landwirte, welche zu 1oo% überzeugt sind, dass eine Melioration Ihre Existenzgrundlage verbessert hätte, bei ihrer täglichen Arbeit ständig glauben, dass es ihnen nun wegen den Anderen schlechter geht.

Eine geheime Abstimmung wird zwar dieses Dilemma nicht verhindern, aber zumindest das Risiko minimieren, dass zukünftig politische Projekte nicht allzu fest blockiert werden oder, dass man sich gar nicht mehr an denselben Tisch setzen kann. Ist man aufgrund von tiefen Enttäuschungen doch eher dazu geneigt, nicht vergessen zu können und dadurch die Verursacher noch lange Zeit zu schikanieren.

Ich habe die kleine Hoffnung, dass mit einer geheimen Abstimmung die Erhaltung des Dorf-Friedens der nächsten Jahrzehnte mehr gewährleistet ist, als ohne.

Insofern bitte ich an dieser Stelle Befürworter und Gegner, sich an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung für eine geheime Abstimmung zu entscheiden.

Ich selbst besitze kein Landwirtschaftsland.

Das friedliche Zusammenleben der Berbuer untereinander liegt mir persönlich aber sehr am Herzen und steht vor jedem politischen Entscheid.

Erklärvideo Melioration

2 Gedanken zu “Melioration? Bitte geheim!

  1. Eine gerechte Landumlegung kann es nicht geben, ausser es geschieht auf freiwilliger Basis. Die „Moderne Melioration“ ist eher eine Peggioration! Ich stimme dem Nicht-Landwirt zu, die geheime Abstimmung ist ein Muss.

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  2. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin weder Landwirt, noch verheiratet oder verwandt mit einem Landwirt, noch bin ich Landbesitzer. Auch kenne ich die Landwirte in Birrwil nicht persönlich, sondern lebe lediglich in diesem Dorf (und fühlte mich bisher wohl hier). Was mich aber an dieser ganzen Diskussion um die Melioration extrem traurig stimmt, ist die Vorstellung, dass hier nun die Stimmbürger von Birrwil über die Zukunft – und das Schicksal – dieser 7 Landwirte entscheiden werden. Das ist doch den meisten Einwohnern gar nicht bewusst! Wer an der GV nächste Woche “Ja” zur Melioration sagt, muss sich bewusst sein, dass er damit direkt das Überleben von dem einen oder anderen Bauern im Dorf gefährdet! Von der Melioration – falls sie angenommen wird – wird nur die eine Hälfte der Landwirte profitieren, die andere Hälfte wird dadurch in existenzielle Not geraten. (Dass es jetzt 7 aktive Landwirte gibt, nach der Melioration aber nur noch mit 3 – 4 gerechnet wird, wird ja auch von den Befürwortern der Melioration als Fakt angesehen.) Für uns “Nicht-Betroffene” mag es eine unwichtige Abstimmung sein (mit der kleinen “Nebenwirkung” von erhöhten Steuern falls die Melioration angenommen wird), für die betroffenen Landwirte ist es eine absolut existenzielle Angelegenheit!

    Eine geheime Abstimmung ist übrigens ein Muss! (Man sieht es ja sogar in diesem Blog, dass sich die Meliorationsgegner nicht einmal mehr getrauen, unter ihrem eigenem Namen zu schreiben.)

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